Julia Schoch, 10.03.2018

Am 10.03.2018 trug Julia Schoch im Teehäuschen zwei Kapitel aus ihrem neuen Buch „Schöne Seelen und Komplizen“ vor.

„Schöne Seelen und Komplizen“

Der Roman könnte ein Generationsporträt sein. In zwei Teilen von 1989 bis zum Abitur 1992 und 25 Jahre später wird die Geschichte von 16 Schülerinnen und Schülern eines Elitegymnasiums der Wendezeit in Potsdam erzählt. Die Autorin war selbst dort Schülerin, dennoch will sie kein Porträt des Ortes geben. „Das Ausgedachte ist oft stimmiger als das Dokumentarische“.

Alexander, Falk, Stefanie, Lydia, Vivien, Tomas und wie sie alle heißen, kommen zu Wort, geben uns Einblick in innen- und ihr Gefühlsleben. Nach dem Abitur zerstreuen sie sich in alle Welt, und obwohl es keinen Kontakt mehr zwischen ihnen gibt, bestehen noch lose Verbindungsfäden.

25 Jahre später treffen sie sich zu einem kläglichen Klassentreffen in einer Pizzeria, ein versprengter Haufen, der Bilanz zieht: Wie lange verfolgt uns die Vergangenheit, oder verfolgen wir sie?

Die große Frage des Romans ist die, was die Zeit mit uns macht – und wir mit ihr. „Ist es besser, die Vergangenheit loszulassen oder müssen wir uns dringend um sie kümmern?“

Der Roman ruft zu jener Gelassenheit auf, die der Abstand von Jahrzehnten zu tagesaktuellen Aufregern mit sich bringt. Und das Schönste: Man merkt dem Roman sein schweres Gedankengepäck kaum an. Er liest sich ungewöhnlich leicht und unterhaltsam.

Im Anschluss an die Lesung entbrannte eine lebhafte Diskussion unter den Zuhörern. Es wurde die Frage aufgeworfen ob der Biografiebruch der in der DDR geborenen Deutschen durch die Wende Auswirkungen auf deren spätere persönliche Entwicklung hatte. Ob ein vergleichbarer Biografiebruch nicht auch von anderen Deutschen erfahren werden musste oder ob nicht jeder Deutsche ähnliche Brüche in seinem Leben ertragen muss und sich dadurch verändert. Weiterhin wurde diskutiert, ob man stolz darauf sein könne in der DDR geboren und aufgewachsen zu sein und diese Erfahrung positiv zur Persönlichkeitsentwicklung beitrage oder ob dies ein anhaftender Makel sei, der die weitere Entwicklung negativ beeinflusse und behindere. Die Standpunkte wurden kontrovers diskutiert.

Maximilian Bihn

  • Julia Schoch

  • Julia Schoch

  • Julia Schoch

  • Frau Dr. Suermann

  • Lara Bihn beim Verkauf von Kaffee und Kuchen

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